Die Bewohner*innen des Sozialdorf Manas

Die Bewohner*innen im Sozialdorf Manas kommen z.B. aus dem Kinderrehabilitationszentrum Nadjeshda oder aus staatlichen Heimen. Manche Bewohner werden von ihren Familien gebracht, andere von Menschen aus ihrer Umgebung oder direkt von der Straße aufgesammelt. Die Wege die sie ins Sozialdorf Manas bringen sind also sehr individuell.

Manche bleiben kurz, andere sind schon sehr lange im Sozialdorf Manas und wollen auch auf keinen Fall wieder weg. Manche entwickeln sich sehr gut und lernen zum Beispiel in der Hauswirtschaft selbständig tätig zu sein und werden von ihren Familien wieder nach Hause geholt, weil sie einer eigenen Tätigkeit nachgehen und damit zum Familieneinkommen beitragen können.

Hier stellen wir ihnen einige Bewohner*innen des Sozialdorf Manas vor:

Meerim

Meerim

„…aber leben möchte ich im Sozialdorf.“

Meerim wurde als Baby ausgesetzt, aber von dem Mann der sie fand und seiner Familie aufgenommen, obwohl sie selbst sehr arm waren. Als sie sechs Jahre alt war, brachten sie Meerim deshalb ins staatliche Kinderheim. Sie besuchten sie dort oft. Irgendwann blieben sie aber weg und keiner wusste, wo sie waren und ob sie noch lebten. Auch weil Meerim in ein neues Kinderheim gebracht wurde, hatte sie sehr lange keinen Kontakt mehr zu dieser Pflegefamilie. Im Kinderheim in der kleinen Stadt Bielovodsk, nicht weit entfernt von Murake, dem Dorf in dem das Sozialdorf Manas ist, war Meerim mindestens 10 Jahre lang.

Seit einigen Jahren ist sie nun im Sozialdorf Manas und fühlt sich sehr wohl. Sie will nie mehr weg. Als eine Zeitung ihre Geschichte veröffentlichte, sahen ihre früheren Pflegeeltern diesen Bericht und kamen ins Sozialdorf Manas. Sie fragten sie sogar, ob sie nicht wieder zu ihnen ziehen wollte. Aber Meerim will sehr gerne in ihrem neuen Zuhause, dem Sozialdorf Manas bleiben. Sie hat hier das Gefühl etwas Sinnvolles zu machen, indem sie sich in die Gemeinschaft einbringt. Das macht ihr viel Freude. Sie ist eine fleißige Näherin in der Filzwerkstatt und hilft viel im Haushalt. Meerim ist 23 Jahre alt.

Slava

Slava

„Es müssen Aufgaben sein, die mich fordern…“

Slava ist ein Waise. Er ist auf der Straße aufgewachsen und wurde von Mitarbeitern von Nadjeschda ins Kinderzentrum geholt. Dort konnte er dann auch zur Schule gehen. Im Winter 2013 kam er von Nadjeschda ins Sozialdorf Manas. Die Zeit als Straßenkind hat Slava sehr geprägt. Er konnte sich auf niemanden verlassen und ist nach wie vor ein Einzelkämpfer. Er ist ein kräftiger junger Mann, der gerne seine Muskeln am Reck, mit Hanteln oder bei schwerer Arbeit trainiert, und sich selbst nicht als behindert ansieht.

Die Bewohner*innen im Sozialdorf sind seine Freunde, aber er fühlt sich trotzdem oft eingeengt, durch die Regeln, die das Zusammenleben in der Gemeinschaft braucht. Das Leben im Sozialdorf ist ihm manchmal zu wenig, aber draußen würde er es noch schwieriger haben. Er braucht Tätigkeiten, die ihn fordern. Gerne ist er auf Baustellen mit dabei und hat auch handwerkliches Talent. Allerdings ist er gleichzeitig sehr unbeständig und ablenkbar.

Sehr gut macht er die Arbeit mit den Kühen. Er melkt, füttert und hütet die Kühe – so wie auch Ruslan. Auch beim Einkaufen in Bielovodsk ist er sehr gerne dabei und hilft gerne mit. Er träumt davon, in eine Außenwohngruppe ziehen und im Laden helfen zu können, wenn diese Erweiterungen des Sozialdorf Manas verwirklicht werden. Slava ist sicherlich einer derjenigen, der von einer solchen Entwicklung des Sozialdorf Manas sehr profitieren könnte. Er ist 1995 geboren, im Moment also 21 Jahre alt.

Asiret

Asiret

„Seitdem kann ich wieder selbständig essen.“

Asiret verbrachte seine Kindheit ebenfalls im Kinderheim von Bielovodsk und es ging ihm nicht gut. Es herrschte großer Mangel an Nahrung, Hygiene und Fürsorge. Im Jahr 2003 sahen ihn zwei deutsche Frauen dort und kümmerten sich in den Folgejahren regelmäßig um ihn. Als er 2006 volljährig wurde sorgten sie dafür, dass er im Kinderzentrum Nadjeschda in Bischkek unterkam. Sie fanden die Albert-Schweitzer-Schule in Villingen-Schwenningen, die eine Patenschaft für Asiret übernahm und ihn seitdem fördert. Seit Sommer 2013 wohnt Asiret im Sozialdorf Manas und wird von Mitarbeiter*innen und Bewohner*innen gepflegt und umsorgt. Er hat inzwischen sogar gelernt wieder selbständig zu essen und wird dabei von seinem Freund Murat unterstützt.

Die Mitarbeiter*innen und die Freiwilligen machen täglich Dehnübungen mit ihm. Anschließend darf er sich auf einer Matratze liegend ausruhen und mit unterschiedlichen Sachen spielen. Am liebsten zieht er das Bett von Nurkys ab. Wenn Asiret im Rollstuhl sitzt, macht er mit allem Musik, was sich dagegen klopfen lässt. Daran hat er sehr viel Freude. Mit seiner Zunge kann er die unterschiedlichsten Klickgeräusche erzeugen und bereichert so das Miteinander in der Filzwerkstatt. Manchmal nervt das die anderen Bewohner*innen aber auch. Dann machen sie sich einen Spaß, verkleiden ihn und gehen mit ihm im Dorf spazieren. Asiret ist mehrfachbehindert und ist auf die Hilfe Anderer angewiesen. Er ist 26 Jahre alt.

Orungul

Orungul

„Heute will ich nicht.“

Orongul lebte bis zu ihrem 15 Lebensjahr zu Hause bei ihrer Mama in Dschalal-Abad. Diese war alkoholkrank und brachte sie ins Kinderheim in Belovodsk. Orongul vermisst ihre Mama sehr und würde sie in den Ferien gerne besuchen fahren. Jedoch meidet diese den Kontakt und geht nur selten ans Telefon, wenn Orongul versucht sie zu erreichen. Bisher kam sie nur einmal zu Besuch ins Sozialdorf.

Hier lebt die 20-jährige nun schon fast 2 Jahre und übernimmt viele Aufgaben. Sie melkt abends die Kühe, hilft im Haushalt und arbeitet in der Filzwerkstatt. Außerdem kümmert sie sich mit um die anderen Bewohner. Nur ihre schnell wechselnden Launen machen den Umgang mit ihr nicht immer einfach.

In ihrer Freizeit tanzt und singt Orongul gerne und kann beides auch sehr gut. Bei Aufführungen zeigt sie ihr Können, wenn sie gemeinsam mit Bayaman tanzt und Lieder selbstbewusst performt.

Ruslan

Ruslan

„Fremdenführer und Hirte sind meine Hauptberufe.“

Ruslan ist vor vier Jahren vom Kinderheim ins Sozialdorf Manas nach Murake gezogen. Tiere im allgemeinen und Kühe im besonderen sind seine große Leidenschaft. Jeden Morgen stehen er oder Slava, der andere Hirte um sechs Uhr auf – eineinhalb Stunden vor den anderen Bewohner*innen – und geht die Kühe des Sozialdorf Manas melken. Danach treibt er die kleine Herde zum Hirten des Dorfes, der sie über den Tag mit in die Berge nimmt. Mit frischer Milch kommt er pünktlich zum Frühstück. Weil er die Uhr nicht lesen kann verschläft er manchmal und kann die Kühe dann nicht rechtzeitig beim Hirten abliefern. Das ist aber nicht schlimm: Dann geht er selbst mit ihnen zum Fluss und über die Weiden. Er liebt die Kühe. Mit einem Vesper in der Tasche, seiner selbstgemachten Peitsche, und einem Hirtenstock über die Felder zu ziehen ist für ihn das Größte.

Genauso gerne führt er Gäste durch das Dorf Murake, an dessen Rand das Sozialdorf Manas liegt. Ruslan kennt im Dorf jeden Winkel und jeden Menschen. Er weiß auch immer, wo gerade eine Hündin einen Wurf Welpen bekommen hat. Er kann bei seinen Führungen darum auch viele Insiderinformationen erzählen.

Ruslan ist zwar gesellig, aber von seiner Zeit im Waisenhaus erzählt er nicht gerne. Die war nicht schön. Lieber erzählt er von seinen Eltern, und wie gut sie zu ihm waren. Er sagt dann „Sie sind vor vielen Jahren durch einen Autounfall ums Leben gekommen. Darum musste ich ins Waisenhaus.“ Er liebt das Sozialdorf Manas und lebt sehr gerne dort. „Alles was ich brauche um glücklich zu sein habe ich hier – Tee, Essen, Freunde und Kühe. Der Leiterin oder Gästen bastelt er sehr gerne kleine Geschenke aus Filz. Oder bittet die Freiwilligen oder Mitarbeiter*innen für ihn einen Brief an diese Menschen zu schreiben. Selbst kann er nicht schreiben und sich leider auch keine Zahlen merken. Nur die Mitarbeiter*innen des Sozialdorf Manas wissen, dass Ruslan als Säugling von einem Polizisten im einem Müllcontainer gefunden wurde. Der Polizist brachte ihn daraufhin ins Waisenhaus. Ruslan aber ist mit seiner Realität sehr glücklich und zufrieden. Er ist 23 Jahre alt.

Nurkyz

Nurkyz

„Ich mache lieber, als viel zu sagen“

Nurkyz ist eine junge, 28-jährige Frau und kommt ursprünglich vom Issyk-Kul. Früher besuchte sie das Ümüt-Nadjeschda-Zentrum, eine Schule für Kinder mit Behinderung in Bischkek. In dieser Zeit starb ihre Mutter an Krebs, weshalb sie 2013 ins Sozialdorf kam.

Hier im Sozialdorf kümmert sie sich liebevoll um Asiret und Adil und hilft im Haushalt beim Putzen und Kochen. Nurkyz liebt Schmuck, schöne Frisuren, Feiertage und Geschenke über alles. Außerdem bastelt und malt sie sehr gerne und ausdauernd. Auch für Spaziergänge mit den Freiwilligen, Leyla, Asiret und Adil ist sie immer zu begeistern.

Nurkyz hat ein freundliches und ruhiges Wesen und redet kaum. Dafür ist sie sehr aufmerksam und ihren Augen entgeht nichts. So weiß sie immer über alles bescheid was auf dem Gelände passiert und sobald Besuch kommt, ist sie die Erste, die es bemerkt.

Murat

Murat

„Bigi-Laurens, kak djela? Wie geht’s?“

Als Murat im Sozialdorf ankam, hatte er vor sehr vielem Angst: er fürchtete sich vor Tieren, wollte nicht nach Draußen gehen und traute sich nicht alleine in einem Zimmer zu schlafen. Das ist sicherlich auf seine Vergangenheit zurückzuführen. Mit drei Monaten wurde Murat vor einem Haus ausgesetzt. Nachdem er dort gefunden wurde, kam er in ein Kinderheim in Bischkek und mit vier Jahren nach Belovodsk. Mit 18 Jahren musste er das Heim dort verlassen und war dann für kurze Zeit in verschiedenen Heimen in der Umgebung untergebracht, bis ihn das Sozialdorf aufgenommen hat.

In den zwei Jahren, in denen Murat nun schon hier lebt, hat er sich sehr verändert. Vor allem in Hinblick auf seine Ängste. Er hütet nun die Kühe und Kälber, schaut nach den Hühnern und Truthähnen und hat keine Angst mehr alleine in einem Zimmer zu schlafen. Bei seiner Arbeit mit den Tieren ist er sehr gewissenhaft und ausdauernd. Wenn er nicht draußen arbeitet, hilft er in der Filzwerkstatt mit. Lesen und Schreiben kann Murat nicht, denn in Belovodsk ist er nicht unterrichtet worden (mittlerweile werden in dem Kinderheim 30 der 250 Kinder unterrichtet, was immerhin schon ein kleiner Schritt ist). Deshalb ist er gerade dabei Schreiben zu lernen. Ihm macht das sichtlich Spaß und das, was er geschafft hat, zeigt er anschließend stolz den anderen Leuten.

Murat singt und tanzt unglaublich gerne. Deshalb trifft man ihn oft summend, singend oder zu einem Rhythmus nickend an. Mit seinen lustigen Sprüchen und Witzen sorgt er vor allem während des Essens häufig für gute Laune. Dass Murat im Sozialdorf leben darf, weiß er zu schätzen. Immer wieder betont er, dass er sehr froh
ist hier sein zu können und nicht in ein staatliches Heim musste.

Adilbek

Adilbek

Ich liebe es gute Laune zu verbreiten.

Adilbek wird von allen nur Adil genannt. Er lebt noch nicht lange im Sozialdorf. Mitte Mai kam der 17Jährige aus dem Kinderheim Bielovodsk in sein neues zu Hause. Aber schon jetzt fühlt er sich hier sehr wohl und ist der
Liebling aller. Mit seinem frechen Grinsen und verschmitzten Lächeln sorgt er oft für gute Laune.

In der Einrichtung in Bielovodsk, aus der auch andere Bewohner wie Murat oder Orongul kommen, verbrachte er seine Kindheit. Anfangs besuchte ihn noch seine Mutter im Kinderheim, doch schon bald nicht mehr. Seitdem hat er nichts mehr von seinen Eltern gehört. Adil sitzt im Rollstuhl und kann seine Arme und Beine nur eingeschränkt bewegen. Das hindert ihn aber nicht an seinen Späßen. Er lacht viel und schäkert gerne mit den
Mitarbeiterinnen.

Tagsüber verbringt er seine Zeit mit in der Werkstatt oder beschäftigt sich mit den Freiwilligen. Adil weiß was er will und vor allem Technik begeistert ihn – ob Autos, Fernsehen oder Handys. Aber auch in der Natur ist er sehr gerne und Hunde haben es ihm besonders angetan. Außerdem hört er gerne Musik oder schlägt auf dem Klavier ein paar Töne an.

Adil gefällt es sichtlich im Sozialdorf und es ist toll, dass er nun hier leben darf.

Leyla

Leyla

Im Sozialdorf sind meine Freunde.

Leyla ist eine der wenigen Bewohner*innen im Sozialdorf, die Familie hat und diese auch regelmäßig besucht. Sie freut sich immer darauf zu ihrer Familie zu fahren, wo sie der Liebling vieler Verwandter ist. Doch genauso gerne ist sie auch in ihrem „zweiten zu Hause“, dem Sozialdorf Manas. Hier sind nämlich ihre Freunde. Außerdem ist dort immer viel los und es wird nicht so schnell langweilig.

Viel Unterstützung im Alltag bekommt sie von ihrer guten Freundin Meerim. Im Jahr 2013 ist Leyla ins Sozialdorf gekommen. Damals war sie 25 Jahre alt. Sie ist Spastikerin. Um mit ihrer Familie, Verwandten und Freunden in Kontakt zu bleiben, schreibt Leyla mit Hilfe von Anderen viele Nachrichten mit ihrem Handy. Für die Bewohner*innen und Freiwilligen ist es nicht immer so einfach zu erraten was sie schreiben möchte, aber nach gemeinsamen Rätseln finden sie es meist doch heraus.

Neben dem Nachrichtenschreiben ist das Brettspiel „Dame“ ein weiteres großes Hobby von ihr. Das beherrscht sie ausgezeichnet und hat das auch schon in Wettbewerben unter Beweis stellen können. Leyla ist eine lebensfrohe Person mit einem herzlichen Lachen und viel guter Laune.

Gulja

Gulja

Hallo, ich bin’s …( bist du`s?)

Gulja ist im Feb. 2018 ins Sozialdorf gekommen. Sie ist 2000 geboren und hat schon viel erlebt. Bis zu ihrem 3. Lebensjahr lebte sie bei ihren Eltern. Danach wurde sie von einem Rehabilitationszentrum ins andere gereicht. Ihr Vater versprach einmal Gulja nach ihrer Volljährigkeit zu sich auf zu nehmen. Aber nun ist der Vater unauffindbar und die Mutter will sie nicht aufnehmen. Gulja kommt ursprünglich aus Talas und wenn man sie fragt wo das ist, zeigt sie in die richtige Himmelsrichtung und lacht. Gulja ist sehr neugierig, fleißig, stark und aufmerksam. Schon seit dem ersten Tag kümmert sie sich besonders liebevoll um Adil, aber auch um ihre Freunde Ajana, Nurkis, Maxim und die Freiwilligen.

Gulja ist sehr geschickt im Nähen und zeigt jedes Mal stolz, wenn die ein Sitzkissen fertig genäht hat. Auch im Garten und im Haushalt hilft Gulja viel mit. Manchmal erkennt sie selber Aufgaben, andere erledigt sie mit Freude, wenn man sie darum bittet. Im Garten entdeckt Gulja jeden Regenwurm, jeden großen Stein tief in der Erde und jede reife Erdbeere.

Kommt Gulja etwas Unerwünschtes in die Quere ist die tief traurig. Doch ihre Herzenssonnenstrahlen können nicht lang betrübt sein. Bald darauf scheint ihre Sonne wieder. Gulja liebt Musik, und fragt Maxim sehr oft, wer denn gerade im Radio singt. Sie tanzt sehr gerne und am liebsten mit anderen zusammen. Toll ist es, wenn sie die Hits mitsingen kann. In einem Gespräch sagte Gulja selber: „Ich habe viele Fähigkeiten: Ich kann mein Bett beziehen, die Zähne putzen und bis zehn zählen. Ich liebe Tiere. Ich kann den Tisch decken helfe. Ich bin ein großes Mädchen, ich bin 17 Jahre alt…..“ Und wahrlich, sie ist eine große Unterstützung für alle.

 

Maxim

Maxim

Aeroport Manas – Dubai

Maxim war schon einmal in Dubai und würde gerne wieder dort hinfliegen. Er besitzt schon eine Reisetasche und einen Passport und braucht jetzt nur noch ein Ticket. Dann könnte es schon losgehen. Auch der Besuch zum Aeroport Manas in Bischkek hat ihn sehr beeindruckt. Maxim sieht jedes Flugzeug am Himmel und fragt sich dann wo es wohl hinfliegt und wer darinnen sitzt. Am liebsten will er auch darin sitzen und fortfliegen.

Maxim ist 2001geboren und somit einer unsere Jüngsten. Im Feb 2018 ins Sozialdorf gekommen. In Ernis, Ajana und Gulja hat er gute Freunde gefunden. Anfangs hat Maxim sich noch Pläne überlegt, wie in der der wärmeren Jahreszeit ausbüxt und zu seinem richtigen zu Hause geht, doch nun fühlt er schon, dass er nur noch Dasein muss und schon im richtigen zu Hause wohnt.

Seine Mutter hat ihn als Säugling im Geburtshaus gelassen und keine Kontakte hinterlassen. Er war schon in sechs verschiedenen Einrichtungen und lebt nun im Sozialdorf in seinem siebten ‚Zuhause‘. Demzufolge fallen ihm Bindungen zu Menschen sehr schwer. Trotzdem ist er sehr offen allen gegenüber und tritt gerne mit Männern in Kontakt.

Maxim kann gut genäht. Er macht kleine und ganz eng aneinander und übereinander liegende Stiche, so dass die Filzreste, die er zusammen näht, bestens halten. Aus all den Resten nähen viele Bewohner zusammen Sitzdecken. Als Ausgleich zum sitzen und feinmotorischem Nähen hilft Maxim manchmal im Garten und im Hof mit. Doch das ist für ihn nicht so leicht. Die Unkräuter piksen, die Hände werden schmutzig und auf der Straße fahren Autos, die viel interessanter sind zu beobachten. Im Malen, Zeichnen, Denken und Rechnen ist Maxim recht fit. Er kann wunderschöne Bilder malen und Formen nachzeichnen.

Am liebsten wäre Maxim Polizist. Er hat auch schon einen Tarnanzug und immer wieder übt er das Marschieren.

Ernis

Ernis

Ich bin Taxifahrer

Ernis ist seit 2017 im Sozialdorf Manas und es gefällt ihm gut. Er spielt sehr gerne und ist begeistert von Traktoren, Lastwägen, Taxis und Autos im Allgemeinen. Ernis arbeitet viel im Stall. Er bringt den Kuhmist mit den Schubkarren auf den Misthaufen – natürlich ist er dabei Taxi- oder Traktorfahrer. Immer wieder muss er auf seinen Fahrten stehen bleiben und horchen. Da, auf der Straße fährt gerade ein Камаз (Lastwagen) vorbei. Nach kurzer Träumerei und eine Zeit in seiner eigenen Welt kann die Fahrt und Arbeit weiter gehen.

Ernis hat seit Geburt eine starke geistige Behinderung. Er lebte bei seinen Eltern bis der Vater starb, die Großmutter nahm ihn danach auf und mit 16 Jahren kam er in ein staatliches Kinderheim. Nun ist er 19 Jahre alt und erledigt hier alle Aufgaben, die ihm aufgegeben werden. Gemüse aus dem Keller holen, Feuer anheizen, Mist wegfahren, Kühe zum Tränken bringen, Wasserbehälter auffüllen… viel läuft er hin und her und ist mittags dann müde, so dass er gerne ein Schläfchen macht.

Ernis ist ein sehr liebevoller, ruhiger, humorvoller, kindischer Junge. Er spricht nicht all zu viel und liebt es Geräusche und Bewegungen von mechanischen Dingen nachzumachen.

Manchmal erzählt er vorsichtig, dass er seine Verwandten vermisst und seine beiden Brüder gerne sehen will. Leider vermeiden sie telefonischen Kontakt und kommen ganz seltern nur ihn besuchen.

Ajana

Ajana

Mit einem Lachen auf den Lippen ist das Leben viel schöner

Ajana hatte einen sehr schweren Start ins Leben. Bis zu ihrem vierten Lebensjahr lebte sie vermutlich bei ihren Eltern. Sie war von viel Gewalt umgeben, lag im Koma und hat schon eine Operation hinter sich. Mit vier Jahren wurde sie hospitalisiert und kam von einem ins andere Kinderheim. Die letzten Jahre lebte sie mit Gulja und Maxim in Schopokow. Trotz all dieser Umstände lacht Ajana am liebsten. Sie freut sich über so vieles und oft ist ihr Lachen ansteckend. Wenn in der Mittagspause Ernis Ajana eine zarte Massage gibt, lacht und giggelt sie gerne. Wenn man mit ihr singt, sich mit ihr liebevoll unterhält, mit ihr tanzt oder mit Dehnübungen macht, lacht sie gerne.

Ajana ist mit Gulja und Maxim im Feb. 2018 in Sozialdorf gekommen und hat sich mittlerweile sehr gut eingelebt. Sie hilft überall mit wo sie kann. Ihre linksseitige Lähmung (Hemiparese)lässt sie nicht alle Tätigkeiten so schnell erledigen, wie Gulja, ihre Freundin, es kann. Aber Ajana gibt nie auf. Sie trägt Wassereimer in die Küche, sie zupft Unkraut im Garten, die schleppt Steine weg und kann neuerdings kleine Filzreststücke glatt zusammennähen. Ajana mag es auch gemütlich und warm. Am Morgen bleibt sie gerne im warmen Bett liegen und braucht etwas Zeit, bis sie für den Tag bereit ist. Die Zeit wird es zeigen, wie viel Ajana noch lernen kann.

 

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