Die 1. Außenwohngruppe (in Kirgistan!)
haben wir im Frühjahr 2017 mit kleinem Laden in der Stadt Bielovodsk – vom Sozialdorf Manas etwa 8 Kilometer entfernt, eröffnet. Hier leben Bewohner*innen die sich gut entwickelt haben, relativ selbständig, in einer Art Wohngemeinschaft zusammen. Auf dem dazugehörenden Grundstück entstand ein wunderschöner Gemüsegarten zur Selbstversorgung und als Arbeitsplatz für die Bewohner.

https://sozialdorf.org/bilder/nggallery/galleries/Aussenwohngruppe-1

 

Aibek ist 20 Jahre alt. Er konnte eine staatliche Schule besuchen, was für Kinder mit Behinderung in Kirgistan leider immer noch eine Ausnahme ist. Als er in der 8. Klasse war, starb seine Mutter und kurz darauf begann sein Vater zu trinken. Die Verhältnisse in seinem zu Hause wurden dadurch katastrophal, denn es gab kaum etwas zu Essen und sein Vater schlug ihn. Daraufhin bat eine frühere Lehrerin von ihm, das Sozialdorf ihn aufzunehmen. Nach dem ersten halben Jahr im Sozialdorf nahm der Vater Aibek aus finanziellen Gründen wieder zu sich zurück. Aibeks Invalidenrente ging nämlich nicht mehr an den Vater, sondern an das Sozialdorf. Die weiteren sechs Monate lebte er zu Hause, doch irgendwann wurde er wieder abgemagert auf der Straße gesehen. Das Sozialdorf setzte sich für seine Wiederaufnahme ein. Der Vater willigte ein, jedoch nur unter der Bedingung, dass er weiterhin Aibeks Invalidenrente bekommt.

Aibek lebt nun wieder im Sozialdorf und hat dort seinen Platz gefunden. Er arbeitet, trotzdem er wegen einer Fehlstellung am Fuß (Klumpfuss) mit einer Krücke gehen muss, sowohl draußen bei den Hühnern und Truthähnen als auch in der Filzwerkstatt. Er ist sehr
freundlich, hilfsbereit, lebensfroh und lernbegierig.

Zum Glück haben sich für Aibek Paten gefunden, so dass er auch ohne seine Invalidenrente im Sozialdorf leben kann. Würde er seine Invalidenrente vom Vater einfordern, nähme der ihn wieder zu sich, nur damit er das Geld von ihm bekommt.
Auch andere Bewohner*innen des Sozialdorfs suchen dringend Pat*innen

Ayjan erlebt man als eine laute und bestimmende Persönlichkeit. Sie hat weder eine körperliche noch geistige Behinderung und nimmt im Sozialdorf mit ihrer Selbstständigkeit eine wichtige Rolle ein. Als „Managerin“ hat sie über alles den Überblick. Außerdem hilft sie
im Haushalt und kümmert sich um die Wäsche. Mit ihrem Engagement könnte sie gut in der geplanten Außenwohngruppe im Laden oder einer Wäscherei arbeiten und dort Verantwortung übernehmen. Oft sieht man Ayjan mit Kopfhörern in den Ohren. Auch für Späße ist sie immer zu haben. Wenn die Stimmung am Essenstisch mal nicht so gut ist, übernimmt sie mit Freude die Unterhaltung.

An ihre Kindheit denkt Ayjan nicht so gerne zurück. Als sie 8 Jahre alt war, starb ihre Mutter und ihre zwei älteren Schwestern übernahmen ihre Fürsorge. Bald waren sie mit ihr überfordert und gaben sie in das Kinderheim in Belovodsk. Ein erneuter Versuch, Ayjan mit 15 Jahren wieder bei sich aufzunehmen, scheiterte. Zwei Jahre später wurde sie vom Sozialdorf aufgenommen. Obwohl es ihr hier gut gefällt, vermisst sie ihre Heimatstadt Naryn und auch ihre älteren Schwestern, die beide mittlerweile eine eigene Familie haben.

Baiaman wurde in Russland geboren, ist aber in Kirgistan aufgewachsen. Seine Muttersprache ist darum Russisch, obwohl er Kirgise ist. Er kennt seine Familie. Mit ihr hat er an vielen Orten gelebt. Seine Familie brachte ihn irgendwann zu seiner Oma nach Kirgistan, die einige Jahre für ihn sorgte. Als er 15 Jahre alt war gab sie ihn ins Kinderheim in Bielovodsk, wo er wie Meerim aufwuchs.

Als er 18 Jahre alt wurde, durfte er ins Sozialdorf Manas umziehen. Er sitzt im Rollstuhl und kann seine Beine nicht von alleine bewegen. Aber er ist sehr kräftig, weil er regelmäßig mit Hanteln trainiert. Darum gewinnt er immer wieder auch Armdrückwettbewerbe.

Baiaman arbeitet in der Filzwerkstatt und ist ein sehr fleißiger Mitarbeiter dort. In seiner Freizeit singt er, hört Musik oder geht mit dem Autisten Askart spazieren. Der schiebt ihn durch die Gegend und sie erkunden gemeinsam das Dorf. Baiaman ist sehr gerne draußen an der frischen Luft. Jeden Tag sieht man ihn mit einem anderen Bewohnern des Sozialdorf Manas seine Runde drehen. Baiaman ist 22 Jahre alt.

Bektur ist der Gelehrte unter den Bewohner*innen des Sozialdorf Manas. Er wäre so gerne Anthropologe oder Historiker geworden. Er ist 32 Jahre als und wohnt seit zweieinhalb Jahren im Sozialdorf Manas. Er spricht gerne mit den Freiwilligen über Könige, Revolutionen, Religionen und Geschichte. Er ist ein Mann der Philosophie. Manchmal bezeichnet er sich auch als Anarchisten. Mathematik fällt ihm schwer, aber er schnappt sich abends gerne die Freiwilligen und übt mit ihnen.

Er hat eine Familie, die er regelmäßig besucht. Aber seine Eltern sind selbst sehr arm und krank, so dass sie schon lange nicht mehr für Bektur sorgen können. Er sagt seine Kindheit war ganz normal. Er durfte bei Nadjeschda neun Jahre in die Schule gehen. Wegen einer Fehlstellung an den Beinen konnte er nicht in eine normale Schule gehen. Bildung ist in Kirgistan für Behinderte Menschen nicht vorgesehen. Seine Eltern haben aber immer alles ihnen Mögliche unternommen, um Bektur ein normales Leben zu ermöglichen. Jetzt, wo sie ihn nicht mehr unterstützen können, ist auch er auf die Hilfe von Spendern angewiesen.

Nadja

In frühen Jahren gaben ihre Eltern Nadja in ein Kinderheim. Ihr Leben lang lebte sie in unter Jugendlichen in dynamischen sozialen Gefügen. Sie besuchte ein Internat und lernte dort für ein paar Jahre. Als Jugendliche lebte sie im Belovodsker Kinderheim, in dem sie mit einigen Bewohnern des Sozialdorfes schon Bekanntschaft und Freundschaft schloss.

Seit Sommer 2017 ist sie feste Bewohnerin der Außenwohngruppe und mischt seitdem den Laden auf.Sie ist so klug, wie dominant in ihrem Auftreten, erschafft Bilder und Kunstwerke, kann nach Belieben aber auch mal alles zum Stillstand bringen, wenn ihr der Sinn danach steht.

Im Winter 2017 ließ sie sich zur Köchin ausbilden und hat eine Leidenschaft für Schmackhaftigkeiten vom Herd entwickelt, der sie gerne nachgeht. Im Pflichtgeschehen ist sie an allen Aufgaben mit beteiligt – Arbeit im Garten, der Näh- und auch der Milchwerkstatt.

Für die Zukunft plant Nadja, auf eigenen Beinen zu stehen, zu heiraten und ein eigenes Quartier zu beziehen. Ihr Kindheitswunsch ist es, Schauspielerin zu werden – „Rollen spielen – das ist was für mich.“

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Beschka

Wie Nadja, lebte Beschka in Kinderheimen, bis er das gleiche Internat besuchte, auf dem sich beide kennenlernten. Auch danach blieb der Kontakt im Belovodsker Kinderheim erhalten.

Beschka bezog direkt mit die Außenwohngruppe, als er im Frühjahr 2017 ins Sozialdorf kam.

Er ist ein lebensfroher Charakter und nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine offene Art heitert das Geschehen auf, hat ihn aber auch schon in brenzlige Lagen manövriert. Doch davon lässt er sich nicht trüben.

Auch Beschka absolvierte eine Kurzausbildung zum Koch und arbeitet seitdem regelmäßig in einem Café in Belovodsk als Küchenhilfe. In der Außenwohngruppe hat er seine Aufgaben in allen Arbeitsbereichen, ist aber vor allem in der Küche und der Waschküche tätig. Für seine Zukunft sieht er eine komplette Ausbildung zum Koch oder Konditor vor. Er möchte damit seinen Lebensunterhalt bestreiten und eines Tages ein eigenes Häuschen beziehen, sagte er ganz gelassen. Stress mache er sich damit nicht.

 

Milchverarbeitung

In der Außenwohngruppe wird seit 2017 die Milch der eigenen Kühe im kleinen Stil verarbeitet. Die Bewohner machen eigenen Joghurt und Sahne.


 

Hauswirtschaft

Ein wesentlicher Teil der Außenwongruppe ist die selbständige Versorgung der Bewohner. D.h. sie sind so gut es geht eigenständig und sorgen z.B. für Ihre Mahlzeiten selbst.


 

Garten und Gemüsebau

Der hintere Teil des Grundstückes ist ein schöner, großer Garten, der mit den unterschiedlichsten und vielfältigen Gemüsearten angepflanzt ist. Auch dieser Bereich ist ein sinnstiftender Arbeitsplatz und dient zudem zur Selbstversorgung der Bewohner.

 

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