Die Bewohner*innen des Sozialdorf Manas

Die Bewohner*innen im Sozialdorf Manas kommen z.B. aus dem Kinderrehabilitationszentrum Nadjeshda oder aus staatlichen Heimen. Manche Bewohner werden von ihren Familien gebracht, andere von Menschen aus ihrer Umgebung oder direkt von der Straße aufgesammelt. Die Wege die sie ins Sozialdorf Manas bringen sind also sehr individuell.

Manche bleiben kurz, andere sind schon sehr lange im Sozialdorf Manas und wollen auch auf keinen Fall wieder weg. Manche entwickeln sich sehr gut und lernen zum Beispiel in der Hauswirtschaft selbständig tätig zu sein und werden von ihren Familien wieder nach Hause geholt, weil sie einer eigenen Tätigkeit nachgehen und damit zum Familieneinkommen beitragen können.

Hier stellen wir ihnen einige Bewohner*innen des Sozialdorf Manas vor:

Meerim

Meerim

„…aber leben möchte ich im Sozialdorf.“

Meerim wurde als Baby ausgesetzt, aber von dem Mann der sie fand und seiner Familie aufgenommen, obwohl sie selbst sehr arm waren. Als sie sechs Jahre alt war, brachten sie Meerim deshalb ins staatliche Kinderheim. Sie besuchten sie dort oft. Irgendwann blieben sie aber weg und keiner wusste, wo sie waren und ob sie noch lebten. Auch weil Meerim in ein neues Kinderheim gebracht wurde, hatte sie sehr lange keinen Kontakt mehr zu dieser Pflegefamilie. Im Kinderheim in der kleinen Stadt Bielovodsk, nicht weit entfernt von Murake, dem Dorf in dem das Sozialdorf Manas ist, war Meerim mindestens 10 Jahre lang.

Seit einigen Jahren ist sie nun im Sozialdorf Manas und fühlt sich sehr wohl. Sie will nie mehr weg. Als eine Zeitung ihre Geschichte veröffentlichte, sahen ihre früheren Pflegeeltern diesen Bericht und kamen ins Sozialdorf Manas. Sie fragten sie sogar, ob sie nicht wieder zu ihnen ziehen wollte. Aber Meerim will sehr gerne in ihrem neuen Zuhause, dem Sozialdorf Manas bleiben. Sie hat hier das Gefühl etwas Sinnvolles zu machen, indem sie sich in die Gemeinschaft einbringt. Das macht ihr viel Freude. Sie ist eine fleißige Näherin in der Filzwerkstatt und hilft viel im Haushalt. Meerim ist 23 Jahre alt.

Slava

Slava

„Es müssen Aufgaben sein, die mich fordern…“

Slava ist ein Waise. Er ist auf der Straße aufgewachsen und wurde von Mitarbeitern von Nadjeschda ins Kinderzentrum geholt. Dort konnte er dann auch zur Schule gehen. Im Winter 2013 kam er von Nadjeschda ins Sozialdorf Manas. Die Zeit als Straßenkind hat Slava sehr geprägt. Er konnte sich auf niemanden verlassen und ist nach wie vor ein Einzelkämpfer. Er ist ein kräftiger junger Mann, der gerne seine Muskeln am Reck, mit Hanteln oder bei schwerer Arbeit trainiert, und sich selbst nicht als behindert ansieht.

Die Bewohner*innen im Sozialdorf sind seine Freunde, aber er fühlt sich trotzdem oft eingeengt, durch die Regeln, die das Zusammenleben in der Gemeinschaft braucht. Das Leben im Sozialdorf ist ihm manchmal zu wenig, aber draußen würde er es noch schwieriger haben. Er braucht Tätigkeiten, die ihn fordern. Gerne ist er auf Baustellen mit dabei und hat auch handwerkliches Talent. Allerdings ist er gleichzeitig sehr unbeständig und ablenkbar.

Sehr gut macht er die Arbeit mit den Kühen. Er melkt, füttert und hütet die Kühe – so wie auch Ruslan. Auch beim Einkaufen in Bielovodsk ist er sehr gerne dabei und hilft gerne mit. Er träumt davon, in eine Außenwohngruppe ziehen und im Laden helfen zu können, wenn diese Erweiterungen des Sozialdorf Manas verwirklicht werden. Slava ist sicherlich einer derjenigen, der von einer solchen Entwicklung des Sozialdorf Manas sehr profitieren könnte. Er ist 1995 geboren, im Moment also 21 Jahre alt.

Asiret

Asiret

„Seitdem kann ich wieder selbständig essen.“

Asiret verbrachte seine Kindheit ebenfalls im Kinderheim von Bielovodsk und es ging ihm nicht gut. Es herrschte großer Mangel an Nahrung, Hygiene und Fürsorge. Im Jahr 2003 sahen ihn zwei deutsche Frauen dort und kümmerten sich in den Folgejahren regelmäßig um ihn. Als er 2006 volljährig wurde sorgten sie dafür, dass er im Kinderzentrum Nadjeschda in Bischkek unterkam. Sie fanden die Albert-Schweitzer-Schule in Villingen-Schwenningen, die eine Patenschaft für Asiret übernahm und ihn seitdem fördert. Seit Sommer 2013 wohnt Asiret im Sozialdorf Manas und wird von Mitarbeiter*innen und Bewohner*innen gepflegt und umsorgt. Er hat inzwischen sogar gelernt wieder selbständig zu essen und wird dabei von seinem Freund Murat unterstützt.

Die Mitarbeiter*innen und die Freiwilligen machen täglich Dehnübungen mit ihm. Anschließend darf er sich auf einer Matratze liegend ausruhen und mit unterschiedlichen Sachen spielen. Am liebsten zieht er das Bett von Nurkys ab. Wenn Asiret im Rollstuhl sitzt, macht er mit allem Musik, was sich dagegen klopfen lässt. Daran hat er sehr viel Freude. Mit seiner Zunge kann er die unterschiedlichsten Klickgeräusche erzeugen und bereichert so das Miteinander in der Filzwerkstatt. Manchmal nervt das die anderen Bewohner*innen aber auch. Dann machen sie sich einen Spaß, verkleiden ihn und gehen mit ihm im Dorf spazieren. Asiret ist mehrfachbehindert und ist auf die Hilfe Anderer angewiesen. Er ist 26 Jahre alt.

Orungul

Orungul

„Heute will ich nicht.“

Orongul lebte bis zu ihrem 15 Lebensjahr zu Hause bei ihrer Mama in Dschalal-Abad. Diese war alkoholkrank und brachte sie ins Kinderheim in Belovodsk. Orongul vermisst ihre Mama sehr und würde sie in den Ferien gerne besuchen fahren. Jedoch meidet diese den Kontakt und geht nur selten ans Telefon, wenn Orongul versucht sie zu erreichen. Bisher kam sie nur einmal zu Besuch ins Sozialdorf.

Hier lebt die 20-jährige nun schon fast 2 Jahre und übernimmt viele Aufgaben. Sie melkt abends die Kühe, hilft im Haushalt und arbeitet in der Filzwerkstatt. Außerdem kümmert sie sich mit um die anderen Bewohner. Nur ihre schnell wechselnden Launen machen den Umgang mit ihr nicht immer einfach.

In ihrer Freizeit tanzt und singt Orongul gerne und kann beides auch sehr gut. Bei Aufführungen zeigt sie ihr Können, wenn sie gemeinsam mit Bayaman tanzt und Lieder selbstbewusst performt.

Ruslan

Ruslan

„Fremdenführer und Hirte sind meine Hauptberufe.“

Ruslan ist vor vier Jahren vom Kinderheim ins Sozialdorf Manas nach Murake gezogen. Tiere im allgemeinen und Kühe im besonderen sind seine große Leidenschaft. Jeden Morgen stehen er oder Slava, der andere Hirte um sechs Uhr auf – eineinhalb Stunden vor den anderen Bewohner*innen – und geht die Kühe des Sozialdorf Manas melken. Danach treibt er die kleine Herde zum Hirten des Dorfes, der sie über den Tag mit in die Berge nimmt. Mit frischer Milch kommt er pünktlich zum Frühstück. Weil er die Uhr nicht lesen kann verschläft er manchmal und kann die Kühe dann nicht rechtzeitig beim Hirten abliefern. Das ist aber nicht schlimm: Dann geht er selbst mit ihnen zum Fluss und über die Weiden. Er liebt die Kühe. Mit einem Vesper in der Tasche, seiner selbstgemachten Peitsche, und einem Hirtenstock über die Felder zu ziehen ist für ihn das Größte.

Genauso gerne führt er Gäste durch das Dorf Murake, an dessen Rand das Sozialdorf Manas liegt. Ruslan kennt im Dorf jeden Winkel und jeden Menschen. Er weiß auch immer, wo gerade eine Hündin einen Wurf Welpen bekommen hat. Er kann bei seinen Führungen darum auch viele Insiderinformationen erzählen.

Ruslan ist zwar gesellig, aber von seiner Zeit im Waisenhaus erzählt er nicht gerne. Die war nicht schön. Lieber erzählt er von seinen Eltern, und wie gut sie zu ihm waren. Er sagt dann „Sie sind vor vielen Jahren durch einen Autounfall ums Leben gekommen. Darum musste ich ins Waisenhaus.“ Er liebt das Sozialdorf Manas und lebt sehr gerne dort. „Alles was ich brauche um glücklich zu sein habe ich hier – Tee, Essen, Freunde und Kühe. Der Leiterin oder Gästen bastelt er sehr gerne kleine Geschenke aus Filz. Oder bittet die Freiwilligen oder Mitarbeiter*innen für ihn einen Brief an diese Menschen zu schreiben. Selbst kann er nicht schreiben und sich leider auch keine Zahlen merken. Nur die Mitarbeiter*innen des Sozialdorf Manas wissen, dass Ruslan als Säugling von einem Polizisten im einem Müllcontainer gefunden wurde. Der Polizist brachte ihn daraufhin ins Waisenhaus. Ruslan aber ist mit seiner Realität sehr glücklich und zufrieden. Er ist 23 Jahre alt.

Bektur

Bektur

„Meine Eltern haben sich nicht für den augenscheinlich leichteren Weg entschieden.“

Bektur ist der Gelehrte unter den Bewohner*innen des Sozialdorf Manas. Er wäre so gerne Anthropologe oder Historiker geworden. Er ist 32 Jahre als und wohnt seit zweieinhalb Jahren im Sozialdorf Manas. Er spricht gerne mit den Freiwilligen über Könige, Revolutionen, Religionen und Geschichte. Er ist ein Mann der Philosophie. Manchmal bezeichnet er sich auch als Anarchisten. Mathematik fällt ihm schwer, aber er schnappt sich abends gerne die Freiwilligen und übt mit ihnen.

Er hat eine Familie, die er regelmäßig besucht. Aber seine Eltern sind selbst sehr arm und krank, so dass sie schon lange nicht mehr für Bektur sorgen können. Er sagt seine Kindheit war ganz normal. Er durfte bei Nadjeschda neun Jahre in die Schule gehen. Wegen einer Fehlstellung an den Beinen konnte er nicht in eine normale Schule gehen. Bildung ist in Kirgistan für Behinderte Menschen nicht vorgesehen. Seine Eltern haben aber immer alles ihnen Mögliche unternommen, um Bektur ein normales Leben zu ermöglichen. Jetzt, wo sie ihn nicht mehr unterstützen können, ist auch er auf die Hilfe von Spendern angewiesen.

Aijan

Aijan

„Zeig mal!“

Ayjan erlebt man als eine laute und bestimmende Persönlichkeit. Sie hat weder eine körperliche noch geistige Behinderung und nimmt im Sozialdorf mit ihrer Selbstständigkeit eine wichtige Rolle ein. Als „Managerin“ hat sie über alles den Überblick. Außerdem hilft sie
im Haushalt und kümmert sich um die Wäsche. Mit ihrem Engagement könnte sie gut in der geplanten Außenwohngruppe im Laden oder einer Wäscherei arbeiten und dort Verantwortung übernehmen.

Oft sieht man Ayjan mit Kopfhörern in den Ohren. Auch für Späße ist sie immer zu haben. Wenn die Stimmung am Essenstisch mal nicht so gut ist, übernimmt sie mit Freude die Unterhaltung.

An ihre Kindheit denkt Ayjan nicht so gerne zurück. Als sie 8 Jahre alt war, starb ihre Mutter und ihre zwei älteren Schwestern übernahmen ihre Fürsorge. Bald waren sie mit ihr überfordert und gaben sie in das Kinderheim in Belovodsk. Ein erneuter Versuch, Ayjan mit 15 Jahren wieder bei sich aufzunehmen, scheiterte. Zwei Jahre später wurde sie vom Sozialdorf aufgenommen. Obwohl es ihr hier gut gefällt, vermisst sie ihre Heimatstadt Naryn und auch ihre älteren Schwestern, die beide mittlerweile eine eigene Familie haben. Dieses Frühjahr lebte Ayjan wieder für einige Zeit bei ihrer Schwester, doch sie entschied sich ins Sozialdorf zurückzukommen.

Baiaman

Baiaman

„Irgendwann konnte meine Oma nicht mehr für mich sorgen.“

Baiaman wurde in Russland geboren, ist aber in Kirgistan aufgewachsen. Seine Muttersprache ist darum Russisch, obwohl er Kirgise ist. Er kennt seine Familie. Mit ihr hat er an vielen Orten gelebt. Seine Familie brachte ihn irgendwann zu seiner Oma nach Kirgistan, die einige Jahre für ihn sorgte. Als er 15 Jahre alt war gab sie ihn ins Kinderheim in Bielovodsk, wo er wie Meerim aufwuchs.

Als er 18 Jahre alt wurde, durfte er ins Sozialdorf Manas umziehen. Er sitzt im Rollstuhl und kann seine Beine nicht von alleine bewegen. Aber er ist sehr kräftig, weil er regelmäßig mit Hanteln trainiert. Darum gewinnt er immer wieder auch Armdrückwettbewerbe.

Baiaman arbeitet in der Filzwerkstatt und ist ein sehr fleißiger Mitarbeiter dort. In seiner Freizeit singt er, hört Musik oder geht mit dem Autisten Askart spazieren. Der schiebt ihn durch die Gegend und sie erkunden gemeinsam das Dorf. Baiaman ist sehr gerne draußen an der frischen Luft. Jeden Tag sieht man ihn mit einem anderen Bewohnern des Sozialdorf Manas seine Runde drehen. Baiaman ist 22 Jahre alt.

Nurkyz

Nurkyz

„Ich mache lieber, als viel zu sagen“

Nurkyz ist eine junge, 28-jährige Frau und kommt ursprünglich vom Issyk-Kul. Früher besuchte sie das Ümüt-Nadjeschda-Zentrum, eine Schule für Kinder mit Behinderung in Bischkek. In dieser Zeit starb ihre Mutter an Krebs, weshalb sie 2013 ins Sozialdorf kam.

Hier im Sozialdorf kümmert sie sich liebevoll um Asiret und Adil und hilft im Haushalt beim Putzen und Kochen. Nurkyz liebt Schmuck, schöne Frisuren, Feiertage und Geschenke über alles. Außerdem bastelt und malt sie sehr gerne und ausdauernd. Auch für Spaziergänge mit den Freiwilligen, Leyla, Asiret und Adil ist sie immer zu begeistern.

Nurkyz hat ein freundliches und ruhiges Wesen und redet kaum. Dafür ist sie sehr aufmerksam und ihren Augen entgeht nichts. So weiß sie immer über alles bescheid was auf dem Gelände passiert und sobald Besuch kommt, ist sie die Erste, die es bemerkt.

Aibek

Aibek

„Ich bin so froh hier leben zu können.“

Aibek ist 20 Jahre alt. Er konnte eine staatliche Schule besuchen, was für Kinder mit Behinderung in Kirgistan leider immer noch eine Ausnahme ist. Als er in der 8. Klasse war, starb seine Mutter und kurz
darauf begann sein Vater zu trinken. Die Verhältnisse in seinem zu Hause wurden dadurch
katastrophal, denn es gab kaum etwas zu Essen und sein Vater schlug ihn. Daraufhin bat eine
frühere Lehrerin von ihm, das Sozialdorf ihn aufzunehmen.

Nach dem ersten halben Jahr im Sozialdorf nahm der Vater Aibek aus finanziellen Gründen wieder zu sich zurück. Aibeks Invalidenrente ging nämlich nicht mehr an den Vater, sondern an das Sozialdorf. Die weiteren sechs Monate lebte er zu Hause, doch irgendwann wurde er wieder abgemagert auf der Straße gesehen. Das Sozialdorf setzte sich für seine Wiederaufnahme ein. Der Vater willigte ein, jedoch nur unter der Bedingung, dass er weiterhin Aibeks Invalidenrente bekommt. Aibek lebt nun wieder seit über einem Jahr im Sozialdorf und hat dort seinen Platz gefunden. Er arbeitet, trotzdem er wegen einer Fehlstellung am Fuß (Klumpfuss) mit einer Krücke gehen muss, sowohl draußen bei den Hühnern und Truthähnen als auch in der Filzwerkstatt. Er ist sehr
freundlich, hilfsbereit, lebensfroh und lernbegierig.

Zum Glück haben sich für Aibek Paten gefunden, so dass er auch ohne seine Invalidenrente im Sozialdorf leben kann. Würde er seine Invalidenrente vom Vater einfordern, nähme der ihn wieder zu sich, nur damit er das Geld von ihm bekommt.
Auch andere Bewohner*innen des Sozialdorfs suchen dringend Pat*innen

Murat

Murat

„Bigi-Laurens, kak djela? Wie geht’s?“

Als Murat im Sozialdorf ankam, hatte er vor sehr vielem Angst: er fürchtete sich vor Tieren, wollte nicht nach Draußen gehen und traute sich nicht alleine in einem Zimmer zu schlafen. Das ist sicherlich auf seine Vergangenheit zurückzuführen. Mit drei Monaten wurde Murat vor einem Haus ausgesetzt. Nachdem er dort gefunden wurde, kam er in ein Kinderheim in Bischkek und mit vier Jahren nach Belovodsk. Mit 18 Jahren musste er das Heim dort verlassen und war dann für kurze Zeit in verschiedenen Heimen in der Umgebung untergebracht, bis ihn das Sozialdorf aufgenommen hat.

In den zwei Jahren, in denen Murat nun schon hier lebt, hat er sich sehr verändert. Vor allem in Hinblick auf seine Ängste. Er hütet nun die Kühe und Kälber, schaut nach den Hühnern und Truthähnen und hat keine Angst mehr alleine in einem Zimmer zu schlafen. Bei seiner Arbeit mit den Tieren ist er sehr gewissenhaft und ausdauernd. Wenn er nicht draußen arbeitet, hilft er in der Filzwerkstatt mit. Lesen und Schreiben kann Murat nicht, denn in Belovodsk ist er nicht unterrichtet worden (mittlerweile werden in dem Kinderheim 30 der 250 Kinder unterrichtet, was immerhin schon ein kleiner Schritt ist). Deshalb ist er gerade dabei Schreiben zu lernen. Ihm macht das sichtlich Spaß und das, was er geschafft hat, zeigt er anschließend stolz den anderen Leuten.

Murat singt und tanzt unglaublich gerne. Deshalb trifft man ihn oft summend, singend oder zu einem Rhythmus nickend an. Mit seinen lustigen Sprüchen und Witzen sorgt er vor allem während des Essens häufig für gute Laune. Dass Murat im Sozialdorf leben darf, weiß er zu schätzen. Immer wieder betont er, dass er sehr froh
ist hier sein zu können und nicht in ein staatliches Heim musste.

Adilbek

Adilbek

Ich liebe es gute Laune zu verbreiten.

Adilbek wird von allen nur Adil genannt. Er lebt noch nicht lange im Sozialdorf. Mitte Mai kam der 17Jährige aus dem Kinderheim Bielovodsk in sein neues zu Hause. Aber schon jetzt fühlt er sich hier sehr wohl und ist der
Liebling aller. Mit seinem frechen Grinsen und verschmitzten Lächeln sorgt er oft für gute Laune.

In der Einrichtung in Bielovodsk, aus der auch andere Bewohner wie Murat oder Orongul kommen, verbrachte er seine Kindheit. Anfangs besuchte ihn noch seine Mutter im Kinderheim, doch schon bald nicht mehr. Seitdem hat er nichts mehr von seinen Eltern gehört. Adil sitzt im Rollstuhl und kann seine Arme und Beine nur eingeschränkt bewegen. Das hindert ihn aber nicht an seinen Späßen. Er lacht viel und schäkert gerne mit den
Mitarbeiterinnen.

Tagsüber verbringt er seine Zeit mit in der Werkstatt oder beschäftigt sich mit den Freiwilligen. Adil weiß was er will und vor allem Technik begeistert ihn – ob Autos, Fernsehen oder Handys. Aber auch in der Natur ist er sehr gerne und Hunde haben es ihm besonders angetan. Außerdem hört er gerne Musik oder schlägt auf dem Klavier ein paar Töne an.

Adil gefällt es sichtlich im Sozialdorf und es ist toll, dass er nun hier leben darf.

Leyla

Leyla

Im Sozialdorf sind meine Freunde.

Leyla ist eine der wenigen Bewohner*innen im Sozialdorf, die Familie hat und diese auch regelmäßig besucht. Sie freut sich immer darauf zu ihrer Familie zu fahren, wo sie der Liebling vieler Verwandter ist. Doch genauso gerne ist sie auch in ihrem „zweiten zu Hause“, dem Sozialdorf Manas. Hier sind nämlich ihre Freunde. Außerdem ist dort immer viel los und es wird nicht so schnell langweilig.

Viel Unterstützung im Alltag bekommt sie von ihrer guten Freundin Meerim. Im Jahr 2013 ist Leyla ins Sozialdorf gekommen. Damals war sie 25 Jahre alt. Sie ist Spastikerin. Um mit ihrer Familie, Verwandten und Freunden in Kontakt zu bleiben, schreibt Leyla mit Hilfe von Anderen viele Nachrichten mit ihrem Handy. Für die Bewohner*innen und Freiwilligen ist es nicht immer so einfach zu erraten was sie schreiben möchte, aber nach gemeinsamen Rätseln finden sie es meist doch heraus.

Neben dem Nachrichtenschreiben ist das Brettspiel „Dame“ ein weiteres großes Hobby von ihr. Das beherrscht sie ausgezeichnet und hat das auch schon in Wettbewerben unter Beweis stellen können. Leyla ist eine lebensfrohe Person mit einem herzlichen Lachen und viel guter Laune.

Suyumbek

Suyumbek

„Es muss erst noch geklärt werden, ob ich im Sozialdorf bleiben kann.“

Suyumbek war 7 Jahre alt, als seine Mutter starb – sie wurde grade mal 32 Jahre alt. Er hatte damals drei Geschwister. Sein Vater heiratete neu und Suyumbek bekam nochmal zwei Schwestern. Suyumbek und seine drei Geschwister wurden von der Stiefmutter misshandelt.
Nach der Schule diente er in der russischen Armee und war in der Stadt Chita in Sabaikalye (Russland) stationiert. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee heiratete Suyumbek, bekam mit seiner Frau zwei Töchter und arbeitete als Hirte in einer Kolchose. Er begann zu trinken, verließ 1989 seine Frau und arbeitete an verschiedenen Stellen. Er war schwer alkoholkrank und verlor seine Papiere. Von seinen Brüdern und Schwestern wurde er in dieser Zeit verstoßen.

Im Jahre 2005 half ihm eine Familie aus Bielovodsk neue Papiere zu bekommen. Er wurde Knecht, half seitdem in der Landwirtschaft der Familie und kümmerte sich 10 Jahre lang um die Pferde und andere Tiere.

Am 29 Februar 2016 viel Suyumbek draußen auf dem Feld vom Pferd und verlor dabei sein Bewusstsein. Als Astar, der Familienvater, nach der Arbeit nach Hause kam und das gesattelte Pferd im Hof sah, aber Suyumbek nirgendwo fand, ging er los um ihn zu suchen. Zusammen mit seiner Frau fand er ihn bewusstlos im Feld liegen und brachte ihn ins örtliche Krankenhaus. Am Folgetag brachten sie Suyumbek nach Bischkek zur Computertomographie. Diagnose: schweres Schädel-Hirn-Trauma, Gehirnprellung (Herniation), Keilbeinbruch, Schädelbasisbruch, Hinterhauptbeinbruch u.a. Er musste sofort operiert werden .

Suyumbeks Töchter wussten vom Unfall ihres Vaters, kamen aber nicht um ihn zu besuchen. Sein Bruder nahm Suyumbek postoperativ auf, aber Suyumbek wollte dort nicht bleiben und lief weg. Altynbek, der Hausvater vom Sozialdorf, der ihn kannte, fand ihn in Bielovodsk auf der Straße und nahm ihn mit ins Sozialdorf. Dort lebt er seit Anfang April 2016.

Suyumbek klagt über Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und sieht auf dem rechten Auge doppelt. Aber er kann laufen, schläft und isst regelmäßig und hat bisher keine epileptischen Anfälle. Er kann inzwischen schon wieder ab und zu beim Hüten der Schafe helfen.

Der Grad seiner Behinderung wird Anfang Juli von der Gesundheitsbehörde bestimmt werden. Davon hängt ab, ob er wieder außerhalb der Einrichtung leben, oder als Schwerbehinderter im Sozialdorf bleiben kann. Es dauert bei dieser Art Verletzungen i.d.R. mindestens zwei Jahre, bevor man genau weiß, welche Folgen der Unfall hat.

Violetta

Violetta

„Ich lebe in meiner eigenen Welt.“

Violetta lebt seit August 2016 im Sozialdorf Manas. Sie ist gehörlos, autistisch und meist weit weg, in ihrer eigenen Welt. Ihre Mutter kommt sie am Wochenende regelmäßig besuchen. Im Sozialdorf kümmert sich vor allem Aijan um sie, aber auch die anderen Bewohner*innen helfen Ihr sich zurecht zu finden.

Mehr über sie erfahren wir bald.

Behinderungen: Sehr weit verbreitet sind Behinderungen aufgrund von Geburtsschäden. Manche Bewohner*innen haben zum Beispiel infantile Zerebralparesen, also Bewegungsstörungen aufgrund einer frühkindlichen Hirnschädigung, die durch Störungen des Nervensystems und der Muskulatur im Bereich der willkürlichen Motorik. Bei leichten Fällen äußert sich das durch Fehlstellungen der Beine (Klumpfuss), mit Humpeln, in schwereren Fällen sind sie auf Krücken oder den Rollstuhl angewiesen. Auch Fälle von Kinderlähmung oder spastischer Tetraplegie liegen vor, also Lähmungen aller vier Gliedmaßen, von der auch der Rumpf betroffen ist. Bei der spastischen Tetraplegie sind die Muskeln vielfach verkürt, so dass die Gelenke an Armen und beinen nicht frei bewegt werden können. Wegen der ungleichmäßig gespannten Muskulatur kommt es auch zu Rückradverbiegungen.

Aber auch mehr oder weniger starke geistige Behinderungen, Entwicklungsverzögerungen, Psychosyndrome, Autismus und diverse Kombinationen unterschiedlicher Behinderungen oder andere Defekte liegen bei Bewohner*innen des Sozialdorf Manas vor.

Aber alle können sozial eine für die Gemeinschaft wichtige und tragende Rolle einnehmen und ihren Platz finden. Sie entwickeln sich bei entsprechender Förderung und Betreuung und können wichtige Aufgaben für die Gruppe.

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